„Alina (5 Jahre) rutscht die Zunge bei den S- Lauten immer zwischen die Zähne.“

istock_59405694_large

Unter dem Ausdruck „Lispeln“ können sich die meisten etwas vorstellen, vereinfacht gesagt schiebt sich die Zungenspitze bei dem Buchstaben „s“ zwischen die Zähne beim Sprechen. Der medizinische Ausdruck dafür ist „Sigmatismus“ und genau gesagt sind es in jedem Falle die Laute „s, ss, x, z“ die bei dieser Aussprachestörung betroffen sind.  Man unterscheidet auerdem welche Form des „Sigmatismus“ vorliegt:

  •  der „interdentalis“ (da schiebt sich, wie oben schon erwähnt, die Zunge zwischen die Zähne)
  • der „lateralis“ ( da klappen die Zungenränder nach unten und die Luft „zischt“ hörbar an den Seiten der Zunge heraus)
  • der „addentalis“ (die Zungenspitze stößt von hinten an die Schneidezähne, rutscht aber nicht zwischen die Zähne durch)
  • der „nasalis“ (die Luft strömt beim „s“ durch die Nase, statt durch den Mund)
und noch einige andere, sehr seltene Formen der unkorrekten Aussprache der „s“ Laute.
Damit wird deutlich, beim Sigmatismus liegt ein Problem der Zungen- bzw. Mundmotorik vor. Außerdem stimmt die „Luftstromlenkung“ nicht, die „s“ – Laute sind sogenannte „Zischlaute“, die mit viel Luft gesprochen werden und diese Luft wird durch Lippen und vor allem die Zunge falsch gelenkt.
Die verschiedenen Arten des Sigmatismus haben unterschiedliche Ursachen. Dazu zählen anatomische Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers, mangelnde Muskelspannung der Zunge (Daumenlutschen, Schnuller), die den Verlauf des Luftstromes bestimmt, manchmal auch damit einhergehend eine Schwäche der Sensibilität und der Koordinationsfähigkeit der Muskeln im Mundbereich. Es kann auch durch schlechtes Hören über einen gewissen Zeitraum passieren (chronische Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohrenbereich), dass das Kind schlecht gehört hat, wie dieser „Zischlaut“ eigentlich richtig klingen muss.
Bis zum 4. Lebensjahr ist es weder nötig noch sinnvoll, den Sigmatismus zu behandeln. Tun sich Kinder nach dem viertem Lebensjahr noch schwer, s-Laute sauber auszusprechen, sollte die Sprachstörung ernst genommen werden. Sie kann nicht nur zu einem bleibenden „Schönheitsfehler“ der Aussprache werden, sondern auch zu Fehlstellungen der Zähne führen.
Je nach Ursache des Lispelns können Therapieschwerpunkte wie Übungen der Zungenmotorik, Übungen zur Sensibilisierung, Muskelkräftigungs- und Sprechübungen sowie gegebenenfalls ein Hörtraining gemacht werden.
Foto getty Images iStock visualcommunications